19. März 2026 · Berlin

Demo Berlin

Fahrlehrer demonstrieren gegen die Führerscheinreform

Heute, am 19. März 2026, trafen sich bis zu 2.000 Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer in Berlin, um gegen die geplante Führerscheinreform durch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zu demonstrieren.

Organisiert und angemeldet wurde die Demonstration von Ibrahim Tüzün, Inhaber der Ferien-Fahrschule Tüzün. Ab 10 Uhr sammelten sich die Teilnehmer mit ihren Fahrschulfahrzeugen und zogen in einem eindrucksvollen Korso durch die Hauptstadt – vorbei an der Siegessäule bis zum Brandenburger Tor.

Die Botschaft war klar: Reform ja – aber nicht auf Kosten der Verkehrssicherheit.

Fahrschulkorso Richtung Brandenburger Tor
Korso Richtung Brandenburger Tor – „Reform JA! Aber nicht auf Kosten der Sicherheit!" · 📷 Elmar Begovici · Fahrschule Let's Drive · 65817 Eppstein

🗳️ Was fordern die Fahrlehrer?

Die Demonstranten sind nicht gegen Reformen. Sie fordern jedoch Änderungen an den richtigen Stellen – dort wo die Kosten tatsächlich entstehen, ohne dass die Ausbildungsqualität leidet:

1. Senkung der Mehrwertsteuer auf Fahrstunden – Fahrstunden sind Bildung, keine Luxusdienstleistung.

2. Weniger verpflichtende Sonderfahrten – sechs statt aktuell zwölf Pflichtsonderfahrten.

3. Geringere Auflagen für Fahrschulen – etwa bei der Fahrzeugausstattung, die den Führerscheinpreis unnötig in die Höhe treibt.

Diese Punkte sind wesentliche Kostentreiber. Eine Reform hier würde den Führerschein günstiger machen – ohne die Qualität der Ausbildung zu gefährden, wie es die geplante Reform durch Patrick Schnieder tun würde.

Gruppenfoto der Fahrlehrer am Olympiastadion
Fahrlehrer versammeln sich am Olympiastadion – „Reform versprochen! Rückschritt geliefert! So NEIN." · 📷 Wolfgang Fusenig · Fahrschule Özi · 47226 Duisburg
Kundgebung am Brandenburger Tor
Kundgebung am Brandenburger Tor – bis zu 2.000 Teilnehmer · 📷 Elmar Begovici · Fahrschule Let's Drive · 65817 Eppstein
Banner Fahrlehrerschaft Münster
„Führerscheinreform – wenn Regeln sterben, sterben Menschen" · Fahrlehrerschaft Münster · 📷 Laura Biermann · Fahrschule Nickel · 47533 Kleve
BVF Kampagne: Sei nicht wie Patrick – Kein Pfusch an Fahrschülern

Quelle: Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (BVF) · wer-ist-patrick.de

⚠️ Was plant Patrick Schnieder konkret?

Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (BVF) hat unter wer-ist-patrick.de die geplanten Änderungen zusammengefasst. Der Gesetzentwurf von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sieht vor:

Fahrprüfung

Verkürzung auf nur noch 40 Minuten Mindestprüfzeit

Theorie-Umfang

Streichung von rund 30 % des Fragenkatalogs

Unterricht

Aufhebung der Präsenzpflicht – nur noch Online-Theorie

Laienausbildung

1.000 km Privatfahrten ohne professionellen Fahrlehrer

Sonderfahrten

Streichung von lebenswichtigen Nacht-, Autobahn- und Überlandfahrten

Quelle: wer-ist-patrick.de · Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (BVF)

Fahrschulwagen vor dem Brandenburger Tor
Fahrschulwagen vor dem Brandenburger Tor · 📷 Elmar Begovici · Fahrschule Let's Drive · 65817 Eppstein
Reform JA – so NEIN
„Reform JA – so NEIN" · 📷 Laura Biermann · Fahrschule Nickel · 47533 Kleve

🚨 Warum ist diese Reform gefährlich?

Die BVF warnt vor drei zentralen Gefahrenpunkten:

Qualitätsverlust in der Ausbildung: Mehr Fahrstunden nötig wegen weniger Theoriewissen, Absenkung pädagogischer Standards, defizitäre Kompetenzvermittlung.

Erhöhte Risiken im Straßenverkehr: Mangelnde Fahrkompetenz, steigendes Unfallrisiko, Gefährdung der Allgemeinheit.

Belastung für Fahrschüler: Höhere Durchfallquoten durch fehlende Ausbildungsstruktur, teure Prüfungswiederholungen, existenzielle Unsicherheit.

Die BVF hat bereits konkrete Alternativvorschläge vorgelegt – darunter Blended Learning, moderne Diagnosetools zur Prüfungsvorbereitung und digitalisierte Behördenprozesse. Details unter wer-ist-patrick.de.

Quelle: wer-ist-patrick.de · Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (BVF)

Menschenmenge an der Bühne
Menschenmenge an der Bühne · 📷 Wolfgang Fusenig · Fahrschule Özi · 47226 Duisburg
Korso mit Polizeibegleitung
Korso mit Polizeibegleitung · 📷 Wolfgang Fusenig · Fahrschule Özi · 47226 Duisburg

📰 „Finger weg, wenn man keine Ahnung hat"

Bericht vom 19. März 2026 · Nils Bettermann, Fahrlehrer aus Gelsenkirchen, über die Reform

Während sich am Mittwoch bis zu 2.000 Fahrlehrer in geschätzt 500 Fahrschulfahrzeugen auf der Straße des 17. Juni stauten, war die Botschaft der Fahrlehrerschaft unmissverständlich: Die von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder geplante Reform der Fahrausbildung gefährdet die Verkehrssicherheit in Deutschland. Nils Bettermann, Fahrlehrer aus Gelsenkirchen und Host des Podcasts Lenken mit Denken, ordnet die Lage ein.

Eine Reform, die nach hinten losgeht

Die Reformankündigung hat die Branche bereits vor dem heutigen Protest in eine handfeste Krise gestürzt. Eine bundesweite Umfrage der MOVING International Road Safety Association unter 2.424 Fahrschulen ergab, dass 84 Prozent der Betriebe seit November 2025 einen Rückgang der Neuanmeldungen melden – im Durchschnitt um 54 Prozent. In Großstädten liegt der Einbruch bei bis zu 58 Prozent. Über 90 Prozent der Befragten nannten die Reformankündigung als Hauptursache – der sogenannte „Schnieder-Effekt".

Nils sieht darin das Ergebnis einer Politik, die den Preis über die Sicherheit stellt. Die Fahrschüler würden durch die geplante Laienausbildung – 1.000 Kilometer Privatfahrten ohne professionellen Fahrlehrer – nur noch mangelhaft auf den Straßenverkehr vorbereitet. Private Fahrzeuge verfügen nicht über eine Doppelpedalerie, Angehörige sind nicht pädagogisch ausgebildet. Deutschland hat die Laienausbildung 1986 aus guten Gründen abgeschafft.

Versteckte Kosten statt Ersparnis

Ob der Führerschein durch die Reform tatsächlich günstiger wird, bezweifelt Nils ausdrücklich. Die versteckten Kosten seien erheblich: Fahrschulen müssten Simulatoren für 30.000 bis 40.000 Euro anschaffen, geeignete Räumlichkeiten bereitstellen und Aufsichtspersonal einsetzen. Dazu kämen Zusatzgebühren, wenn Fahrschüler die Laienausbildung nutzen wollen, denn die Fahrschulen müssten ihre Angestellten weiterhin bezahlen – auch wenn diese weniger Fahrstunden geben.

In der Branche kursieren zudem Gerüchte über mögliche Änderungen bei den Fahrprüfungen. Einige TÜV-Organisationen planen demnach, die Prüfungen zu verschärfen, damit die Laienausbildung keine Gefahr darstellt. Andere wiederum erwägen offenbar eine Lockerung, um die Durchfallquote nicht durch die Decke gehen zu lassen. Belastbare Fakten gibt es dazu noch nicht – aber das Szenario klingt realistisch. Das Ergebnis wäre in beiden Fällen problematisch: billigere Ausbildung, aber entweder mehr Durchfaller mit teuren Nachprüfungen oder niedrigere Standards auf der Straße. Bei einem durchschnittlichen Führerscheinpreis von derzeit rund 3.400 Euro gehen allein rund 540 Euro als Mehrwertsteuer direkt an den Staat. Nils selbst stellt klar: Bei Fahrschülern, die über die Laienausbildung kommen, wird er in der praktischen Prüfungsvorbereitung eher am Pedal sein als bei klassisch ausgebildeten Schülern.

Das falsche Vorbild Österreich

Das Bundesverkehrsministerium verweist auf Österreich als Modell für die Laienausbildung. Ein Blick auf die Zahlen widerspricht dieser Darstellung deutlich. Deutschland verzeichnet laut Europäischem Parlament 33 Verkehrstote pro Million Einwohner, Österreich liegt bei 38 – der EU-Durchschnitt beträgt 45. Im Jahr 2025 stiegen die Verkehrstoten in Österreich laut dem österreichischen Innenministerium sogar um 13,1 Prozent auf 397 Todesopfer. Die Kfz-Versicherungen in Österreich sind nach Branchenschätzungen bis zu 112 Prozent teurer als in Deutschland. Man spare bei der Ausbildung womöglich einige hundert Euro – zahle dafür aber über die gesamte Dauer als Autofahrer bei Versicherung und Steuern massiv drauf, so Nils.

Wirtschaftliche Interessen im Hintergrund

Ein kritisches Licht wirft Nils auch auf die Rolle der börsennotierten 123fahrschule SE und ihres CEO Boris Polenske. Das Unternehmen hat im Mai 2024 den Simulatorhersteller FOERST GmbH übernommen und begrüßt die geplante Reform öffentlich. In einem Interview mit kapitalerhoehungen.de sagte Polenske, die Reformpläne entsprächen der strategischen Ausrichtung seines Unternehmens – die regulatorische Öffnung würde Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit weiter erhöhen.

Nils kritisiert, dass es bei der 123fahrschule vorrangig um Quantität statt Qualität gehe. Die massenhafte Eröffnung von Standorten gehe einher mit fehlender Kontinuität in der praktischen Ausbildung. Fahrschüler hätten wechselnde Fahrlehrer, die ihre individuellen Schwächen nicht kennen und keinen zusammenhängenden Ausbildungsplan verfolgen können. Der Unterschied zwischen einem „billigen" und einem „günstigen" Führerschein werde dabei bewusst verwischt.

Was stattdessen helfen würde

Statt die Ausbildungsqualität zu senken, sieht Nils andere Stellschrauben, die den Führerschein tatsächlich günstiger machen könnten: eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Fahrstunden, steuerliche Entlastung der Fahrschulen, weniger Bürokratie und mehr staatliche Förderung. Auch die BVF hat konkrete Alternativvorschläge vorgelegt – darunter Blended Learning, moderne Diagnosetools zur Feststellung der Prüfungsreife und die Digitalisierung der Behördenprozesse bei TÜV, DEKRA und Ämtern.

Die Botschaft von Nils an die Verkehrsminister, die Ende März auf der Verkehrsministerkonferenz über die konkreten Maßnahmen entscheiden, fällt eindeutig aus:

„Finger weg von der Fahrausbildung, wenn man keine Ahnung davon hat!"

– Nils Bettermann, Fahrlehrer aus Gelsenkirchen, am 19. März 2026

📋 Quellen

[1] Statistisches Bundesamt – Unfallbilanz 2024: 33 Verkehrstote je 1 Mio. Einwohner in Deutschland · destatis.de

[2] Europäisches Parlament – Verkehrstote in der EU 2024: Deutschland 33, Österreich 38, EU-Durchschnitt 45 pro Mio. Einwohner · europarl.europa.eu

[3] Österreichisches Bundesministerium für Inneres – Unfallstatistik 2025: 397 Verkehrstote (+13,1 %) · bmi.gv.at

[4] MOVING International Road Safety Association – Umfrage unter 2.424 Fahrschulen: 84 % melden Rückgang, Ø 54 % · fahrschule-online.de

[5] Tagesspiegel – „Ein deutlicher Schnieder-Effekt": Bis zu 70 % weniger Anmeldungen · tagesspiegel.de

[6] auto motor und sport – Zeitplan der Führerschein-Reform: Eckpunkte im Detail · auto-motor-und-sport.de

[7] kapitalerhoehungen.de – Interview Boris Polenske: Übernahme FOERST GmbH, strategische Ausrichtung · kapitalerhoehungen.de

[8] Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. – Kampagne „Sei nicht wie Patrick" · wer-ist-patrick.de

📺 WDR Lokalzeit: „Bitte nicht."

TV-Beitrag · WDR Lokalzeit · 19. März 2026

Wie die Reform den Alltag in der Fahrschule treffen würde, zeigt ein Beitrag der WDR Lokalzeit besonders anschaulich. Das Kamerateam begleitet den 18-jährigen Fahrschüler Luca bei seiner Ausbildung mit Fahrlehrer Jörg Knoblauch auf einem Automatikwagen. Luca fühlt sich mittlerweile einigermaßen sicher, hat aber noch Respekt vor den kommenden Schaltstunden.

Die entscheidende Frage des Beitrags: Könnte Luca seine Ausbildung nach den Reformplänen privat mit den Eltern fortsetzen? Seine Antwort ist eindeutig. Die Dynamik mit seiner Mutter sei eine ganz andere – er würde ihr weniger zuhören, habe Angst vor Fehlern, die sie nicht korrigieren könne. Auch seine Mutter Iris sieht sich nicht in der Rolle einer Fahrlehrerin.

Im Schnitt braucht ein Fahrschüler 25 bis 30 Fahrstunden, der gesamte Führerschein kostet etwa 3.200 Euro. Gleichzeitig steigen die Kosten für Fahrschulen – Versicherung, Sprit, Fahrzeuge, Personal. Fahrlehrer Knoblauch warnt im Beitrag: Fahrstunden mit den Eltern könnten zwar Kosten senken, aber auf Kosten der Sicherheit. Oft könnten die Fahranfänger ihren Eltern sogar noch etwas beibringen, weil sich Regeln und Verkehr seit deren eigener Prüfung verändert haben.

Auch Fahrsimulatoren werden als kostensenkende Maßnahme diskutiert – in der Praxis wollen die Schüler aber lieber ins echte Auto. Die Schlussszene des Beitrags bringt die Stimmung auf den Punkt: Luca hat die Theorieprüfung bereits bestanden und will bis zum Sommer fertig sein. Fahrlehrer Knoblauch kommentiert trocken, dass nach der neuen Reform sein Job an dieser Stelle zu Ende wäre und die Eltern übernehmen müssten. Lucas Reaktion:

„Bitte nicht."

– Luca (18), Fahrschüler, WDR Lokalzeit

Quelle: WDR Lokalzeit, Beitrag vom 19. März 2026

Aufkleber: SEI NICHT WIE PATRICK
„Sei nicht wie Patrick*" · 📷 Laura Biermann · Fahrschule Nickel · 47533 Kleve
Aufkleber: www.WER-IST-PATRICK.de
www.WER-IST-PATRICK.de · 📷 Laura Biermann · Fahrschule Nickel · 47533 Kleve
Endlose Kolonne an der Siegessäule vorbei
Endlose Kolonne an der Siegessäule vorbei · 📷 Elmar Begovici · Fahrschule Let's Drive · 65817 Eppstein
Fahrschulwagen auf der Straße des 17. Juni
Fahrschulwagen auf der Straße des 17. Juni · 📷 Elmar Begovici · Fahrschule Let's Drive · 65817 Eppstein

🎬 Video-Impression

Video: Laura Biermann · Fahrlehranwärterin · Fahrschule Nickel · 47533 Kleve

🎬 Fahrlehrer-Autokorso in Berlin

Der Beitrag dokumentiert den Protest der Fahrlehrer gegen die Reformpläne von Patrick Schnieder. Seit der Reformankündigung sind die Anmeldezahlen an Fahrschulen um bis zu 70 Prozent eingebrochen.

Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände lehnt zentrale Punkte der Reform ab: reinen Online-Unterricht, die Streichung der Prüfungsreifefeststellung, den Wegfall von Ausbildungsplänen und Nachweispflichten, die Kürzung des Fragenkatalogs, die Reduzierung der Sonderfahrten und die Einführung der Laienausbildung.

Ibrahim Tüzün, Fahrlehrer aus Mönchengladbach und Organisator der Demonstration, brachte die Position der Branche auf den Punkt: Fahrlehrer würden genau an den Stellen aus der Ausbildung gedrängt, wo Erfahrung, pädagogisches Fachwissen und professionelle Anleitung am wichtigsten seien. Er betonte, man sei nicht gegen Reformen an sich – aber Reform müsse Fortschritt bedeuten.

Quelle: Epoch Times Deutschland · YouTube

Anfahrt zum Brandenburger Tor
Anfahrt zum Brandenburger Tor · 📷 Elmar Begovici · Fahrschule Let's Drive · 65817 Eppstein

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